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HanfWatte

Aktualisiert: 27. Sept.

Entwicklung von Watte aus Hanffasern für den Einsatz in nachhaltigen Hygiene- und Medizinprodukten als Substitut für petrochemische Faserstoffe und Baumwolle


Bei dem vom BMBF geförderten Vorhaben werden die Möglichkeiten untersucht, bestehende technische Hanffaserqualitäten zu hochfeiner Hanfwatte aufzubereiten und diese für die Produktion verschiedener Hygieneprodukte zu erproben. Hierbei kommen zunächst klassische Watteprodukte (Einlagen, Pads, Ohrstäbchen, Tampons) aus dem Hygienebereich infrage. Darüber hinaus lassen sich Transferpotenziale des Produktes „nachhaltige Hanfwatte“ in andere Marktsegmente bspw. Human- und Veterinärmedizinprodukte oder Isolation für Bekleidungsprodukte erkennen.

Hintergrund: Weltweiter Wattemarkt

Handelsübliche Watte wird gegenwärtig im Wesentlichen aus Cellulosefasern, vorrangig Baumwolle hergestellt. Ferner werden auch Manmade-Fibers (Chemiefasern) aus nachwachsenden Rohstoffen wie Viskose oder erdölbasierte Fasern, wie Polyester verwendet. Vor allem der Einsatz zweiterer ist aufgrund des materialspezifischen, enorm hohen CO₂- und Energiefußabdruckes insbesondere für Einwegartikel kritisch zu bewerten.

Überdies treten im Falle der Polymerfasern je nach Entsorgungsweg erhebliche Mikroplastikemissionen mit kritischen Folgen für Mensch und Natur auf. Auch die Produktion von Baumwolle stellt aufgrund des hohen Wasserverbrauchs in Anbauregionen, oftmals mit ohnehin geringen Wasserressourcen sowie des erforderlichen Einsatzes von Entlaubungsmitteln und weiteren umweltschädlichen Agrarchemikalien, eine besondere Herausforderung für die Ökosysteme dar. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage nach alternativen und nachhaltigen Ressourcen und Produktlösungen für den Einsatz in persönlichen und medizinischen Hygieneartikeln.

Während auf dem Weltmarkt neben natürlichen Watteprodukten auch solche aus synthetischen Fasern vertrieben und angeboten werden, beschränken sich Watteprodukte in Bio-Qualität bislang lediglich auf natürliche Baumwollfaserstoffe. Solche werden in kbA-Qualitäten (kontrolliert biologischer Anbau) in diversen Baumwollanbaugebieten (bspw. Indien, China oder Türkei) produziert, wobei deren tatsächliche Kontrolle hinsichtlich der Einhaltung der Biostandards jedoch durchaus fragwürdig ist. Darüber hinaus ist auch der Anbau von Biobaumwolle mit enormem Wasserverbrauch verbunden.


Zielstellung HanfWatte

Ziel des Vorhabens HanfWatte ist die Entwicklung einer Watte auf Basis regional verfügbarer Hanffasern aus kontrolliert biologischem Anbau. Dabei muss die Wattequalität spezifischen Marktanforderungen unterschiedlichster Produkte gerecht werden können, bspw. Weichheit beim Wattepad, Saugfähigkeit beim Ohrstäbchen, Faserfeinheit für eine optimale Filterwirkung.

Gegenüber der Baumwolle verfügt Nutzhanf als Fasern liefernder, regionaler, landwirtschaftlicher Rohstoffe über deutliche Vorteile hinsichtlich der Flexibilität des Standortes sowie nicht erforderlicher Agrarchemikalien und Zusatzbewässerung. Auch gegenüber petrochemisch basierten Rohstoffen bieten Hanffasern aufgrund der Biobasiertheit deutliche Vorteile im Hinblick auf den CO₂-Fußabdruck, denn sie setzen bei der Verbrennung oder Verrottung nur so viel CO₂ frei, wie zuvor im Wachstum gebunden worden ist.

Im Rahmen des beschriebenen Vorhabens soll die Sondierung der produktspezifischen Rahmenbedingungen erfolgen, die technische Umsetzbarkeit nachgewiesen und die dafür erforderliche Prozesskette identifiziert werden. In der nachgelagerten Machbarkeitsphase muss detailliert untersucht werden, inwieweit und unter welchen Bedingungen bestehende bzw. zur optimierende regionale, technische Hanffaserqualitäten zu hochfeiner Hanfwatte aufzubereiten sind, um sie für verschiedene Hygieneprodukte einsetzen zu können.

Das vom BMBF geförderte Projekt bezieht sich auf die „Nationalen Bioökonomiestrategie“ der Bundesregierung sowie der Förderrichtlinie „Ideenwettbewerb: Neue Produkte für die Bioökonomie“. Die Laufzeit des Projekts beträgt 12 Monate und startet am 1.10.2022.

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